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Das neue Kunstwerk auf dem Oberstufenschulhof

Seit Anfang Dezember 2008 hat unsere Schule ein neues Kunstwerk. Auf dem Oberstufenschulhof liegt ein Sandsteinkeil, auf einer Seite grob behauen, auf der anderen Seite mit Acrylmilch und Pigment fein poliert. Die nach oben weisende Seite hat die Natur im Laufe der Erdgeschichte geformt. Der Künstler Igor Sacharow-Ross (Bild 1) hat sich spontan dazu entschlossen, den Keil als (Dauer-) Leihgabe am FEG aufzustellen. (Bilder 2-4)

Was aber soll der Keil darstellen?
Was unterscheidet ihn von den anderen großen Steinen auf dem Schulhof?

Sacharow-Ross verfolgt als Künstler einen syntopischen Ansatz (s.u.).

Mit diesem Ansatz lässt sich der Sandsteinkeil erläutern: Sandstein ist ein uraltes Material, das von dem Künstler selbst aus dem Zusammenhang gelöst, also aus dem Sandsteinbruch gebrochen wurde und anschließend künstlerisch bearbeitet wurde. An der mit Farbpigment bearbeiteten, grünen Seite befindet sich eine Aussparung, eine Art Nische, in der sich ursprünglich eine durchsichtige Box befunden hat. Diese enthielt Pilzsporen eines seltenen Pilzes aus Guatemala, der sich seit Jahrmillionen nicht genetisch verändert hat. (Bild 5)
Diese lebendigen Sporen gaben dem Keil seine Energie, so dass er -wie Keile als wichtige Instrumente seit Urzeiten- die Gesellschaft verändern kann. Dies alles muss man sich bildlich und symbolisch vorstellen.

Genauso soll die nun veränderte Füllung des Keiles wirken: die kleinen Gegenstände aller (oder zumindest der meisten) Schüler des  FEG sind in eine Stahlbox gefüllt und gepresst worden. Diese Box ist am Mittwoch dem 23.1.2009, bei der Kunstwerkeinweihung, in den Keil eingesetzt worden. (Bilder 6-14)
Dort soll sie nun als eine Art Batterie die geballte Energie der Schülerinnen und Schüler entfalten und den Keil als wirksames gesellschaftliches Instrument aktivieren. Dieser ist auch so aufgestellt, dass er vom Ausgang des PZ in die Stadt hinein verweist.    (Bild 15)

Auch die Schüler des Grundkurses Kunst der Jahrgangsstufe 12 (Abi 09) haben syntopische Kunstwerke bei Frau Dr. Raschke entwickelt. Diese waren Deutschen Museum in Bonn (Ahrstraße, Wissenschaftszentrum) zu sehen.

Am Mittwoch, dem 30.1.2008 fand um 18 Uhr ein kleiner Empfang im Deutschen Museum statt.

 

Einladung

SYNTOPIE –was ist das eigentlich?

Igor Sacharow-Ross definiert es als das Verbinden von Verschiedenem an einem Ort. 
Als Menschen tragen wir verschiedene Formen von Wissen und Verhaltensmustern in uns. Das explizite Wissen bekommen wir anhand von (Schul-)Bildung, mit dem impliziten Können ist all das gemeint, was unser Erfahrungsschatz und unsere Intuition uns zu handeln vorgibt und außerdem haben wir noch unser bildliches Wissen, das uns bei der Produktion und ästhetischen Beurteilung von Kunstwerken hilft. All diese Formen des Wissens fließen in diesem Fall in das Kunstwerk ein, das auch niemals fertiggestellt sein soll.
„Das Resultat ist tot, es lebe der Prozess“, - das ist eine Absage an das traditionelle Kunstwerk. Jedes Werk sollte die Möglichkeit bergen, sich verändern zu können, einen Prozess darzustellen oder anzustoßen.

Syntopie ist eigentlich eine Wortschöpfung des Hirnforschers und Neurologen Ernst Pöppel. Pöppel verbindet in seinem Ansatz die Bereiche Kunst und Wissenschaft, und er erhofft sich durch diese Verbindung auch eine Veränderung der Gesellschaft, die immer noch viel zu stark in Sparten arbeitet. Eine Zusammenführung der verschiedenen Sparten, die er Teilkulturen nennt, ist auch eine Zusammenführung von verschiedenen Orten, Positionen, Themen, Denkschemata.
"Verbindung des räumlich und gedanklich Getrennten ist Voraussetzung für Kreativität. Diese erwächst aus der Verbindung von persönlichem Wissen, explizitem Wissen und implizitem Können." (Ernst Pöppel)
(in: Dieter Burchardt, „Das Resultat ist tot, es lebe der Prozess“. Dieter Burchardt im Interview mit Igor Sacharow-Ross. Ausstellungskatalog Abgebrochene Verbindung, hrsg.v. Dieter Burchardt und Hans-Peter Wipplinger. Nürnberg 2006)

Igor Sacharow-Ross

Geb.1947 in Chabarowsk (Ostsibirien)
Igor ist  in Ostsibirien geboren. Dorthin waren seine Eltern verbannt worden, weil sie sich mit dem UDSSR –Regime nicht arrangiert hatten. Sacharow-Ross studierte in Chabarowsk und arbeitete dort als Dozent. 1971 ging er ohne behördliche Erlaubnis nach St. Petersburg (damals Leningrad) und gehörte dort zur modernen Kunstszene. Er war an den ersten Happenings und Performances, die in der UDSSR nicht erwünscht waren, beteiligt. Damit erregte er bald auch im Ausland Aufmerksamkeit und veranstaltete ab 1977 internationale Ausstellungen, z.B. im Institute of Contemporary Art in London, im Arts Club in Washington, und nahm an der Biennale 1977 in Venedig teil.
1978 wurde Sacharow-Ross ausgebürgert und kam über Wien und München nach Köln, wo er heute lebt.
Längere Arbeitsaufenthalte in Frankreich, Belgien, Italien, Israel sowie eine Vielzahl international bedeutender Ausstellungen bis heute begründen seinen Ruf.
In Bonn stellte Sacharow-Ross einen großen Teil seines Werkes parallel im Kunstmuseum Bonn und im Deutschen Museum aus. (Bild 16)

September 2009