Projekt in der Jahrgangsstufe 11 im Schuljahr 2005 / 2006
Kunstausstellung und Sponsorentätigkeit am Beispiel der Guggenheim-Ausstellung mit dem Sponsor Deutsche Telekom
Die Deutsche Telekom sponsert die Ausstellung mit Exponaten aus dem Solomon Guggenheim Museum New York und aus dem Peggy-Guggenheim-Museum Venedig, die in der zweiten Jahreshälfte 2006 in der Bundeskunsthalle in Bonn stattfinden wird. Diese Ausstellung diente uns als Beispiel für Kultursponsoring.
In diesem Projekt sollten die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse erwerben hinsichtlich der Zielsetzungen und Prozesse des Kultursponsorings. Daraus abgeleitet sollten sie ein eigenes kreatives und visuelles Sponsoringprodukt umsetzen.
Seit Anfang des Jahres beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler aller drei Kunst-Grundkurse der Jahrgangsstufe 11 bei Frau Stratmann und Frau Dr. Raschke für etwa vier Wochen mit der Guggenheim-Foundation, die die Sammlungen von Solomon Guggenheim (1861-1949), New York und seiner Nichte Peggy Guggenheim (1898-1979), Venedig sowie weiterer bedeutender Sammler beinhaltet.
Sammlungsgeschichte
Solomon Guggenheim legte sein im Kupferbergbau gewonnenes Vermögen seit den Zwanziger Jahren im Erwerb abstrakter Kunst an.
Er kaufte vorwiegend abstrakte Kunst aus Europa und förderte europäische Künstler-Emigranten in Amerika.
1939 gründete er in New York sein "Museum of Non-Objective Art". Den Museumsneubau plante Frank Lloyd Wright schon 1943.
Seine Nichte Peggy legte ihren sammlerischen Schwerpunkt auf die Werke der Surrealisten und später in New York auf den amerikanischen Abstrakten Expressionismus.
Sie eröffnete erst in London (Guggenheim Jeune 1938), später in New York (Art of this Century 1943) Galerien, in denen sie moderne Kunst ausstellte und verkaufte.
Vor allem der Surrealist Max Ernst und der abstrakte Maler Jackson Pollock wurden von ihr gefördert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte sie einen Palazzo in Venedig, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1979 lebte und ihre Kunstsammlung präsentierte.
Nach ihrem Tod wurden beide Guggenheim-Museen unter einem Stiftungsdach vereint.
Neben dem herausragenden, 1959 fertiggestellten Museumsgebäude an der Fifth Avenue in New York, und dem Palazzo in Venedig sind seit dem Antritt von Thomas Krens als Direktor der Guggenheim-Foundation 1988 zahlreiche weitere Gebäude für die Präsentation der enorm erweiterten Sammlung gebaut und geplant worden.
Dabei handelt es sich um das aufsehenerregende Museum in Bilbao von Frank Gehry sowie bestehende Bauten in Berlin und Las Vegas (nur Show Room), die als Ausstellungshäuser genutzt werden.
Ehrgeizige Neubauten und -entwürfe werden in Rio de Janeiro und in Taiwan vielleicht auch bald gebaut.
Dies alles dient dem Ziel ein Guggenheim-Imperium rund um die Welt zu errichten.
Entwicklung der Modernen Kunst
Neben den Biografien und den Sammlungsaktivitäten wurde den Schülern auch ein Einblick in die Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst seit dem 19.Jahrhundert gegeben.
- Subjektive Weltsicht der Romantiker (Caspar David Friedrich, Kreidefelsen auf Rügen 1818/19)
- Lösung vom Abbild, beginnende Reflexion über malerische Mittel im Impressionismus (Claude Monet, Frau mit Sonnenschirm 1886)
- Spätimpressionismus, zunehmende Subjektivität in Wahrnehmung und Ausdruck (Vincent van Gogh, Berge bei St.Remy, 1889)
- Expressionismus, Erfahrungen von tiefgreifenden Umwälzungen und deren individuell-künstlerische Gestaltung (Ernst Ludwig Kirchner, Soldaten 1914)
- Kubismus, geometrische Systeme zur Verbildlichung der Realität (Pablo Picasso, Karaffe, Kanne und Fruchtschale 1909)
- Abstraktion, Farb- und Formsysteme anstelle von dargestellter Wirklichkeit (Wassily Kandinsky, Improvisation 28, 1912)
- Surrealismus, Zufallsprinzipien zur Aufdeckung unterbewußter Determinanten des menschlichen Lebens und Schaffens (Max Ernst, Der Wald 1927)
- Surrealismus, paranoisch-kritische Methode (Salvador Dali, Die Geburt der flüssigen Bedürfnisse 1931/32)
- Abstrakter Expressionismus, Action Painting in Amerika (Jackson Pollock, Alchemy 1947)
Damit sind die Grundpfeiler der modernen Kunst des Zwanzigsten Jahrhunderts gleichzeitig die Sammlungsschwerpunkte der Guggenheim-Sammlungen.
Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle
An den beiden Projekttagen, an denen nur eine Gruppe von 20 Teilnehmern mit intensiver Arbeit an ihren jeweiligen Projekten beteiligt waren, hatten wir Gelegenheit durch zwei Vorträge noch näher an das Thema herangeführt zu werden. Am ersten Tag war der Kurator, also der Ausstellungsplaner und -organisator von seiten der Bundeskunsthalle, Herr Kay Heymer, zu Gast im Friedrich-Ebert-Gymnasium.
Mit der Guggenheim-Ausstellung wolle man möglichst an die Besuchergrenze der MoMa-Ausstellung im Jahre 2004 in Berlin anknüpfen und die Tut-Anch-Amun-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in den Schatten stellen, so die einleitenden Worte von Herrn Heymer. Im folgenden seine Hauptthesen:
Ausstellung sehr teuer und aufwändig, ohne Sponsoren nicht zu bewältigern
Ausstellungsidee in Zusammenarbeit von Wenzel Jacob, Intendant der Bundeskunsthalle und Thomas Krens, Direktor der Guggenheim-Foundation geboren.
Bundeskunsthalle hat Sonderposition, da die Bundesrepublik Deutschland eine Bundesgarantie auf ausgestellte Werke übernimmt. Damit entfalle die hohen Versicherungsprämien von üblicherweise 1/1000 des Wertes des Kunstwerkes.
Telekom wollte nach der erfolgreichen Tut-Anch-Amun-Ausstellung gerne wieder etwas Großes und Erfolgreiches mit der Bundeskunsthalle zusammen konzipieren und durchführen.
Für den Medienkonzern ist Kultursponsoring eine verfeinerte und subtil wirkende Form von Werbung, die das Unternehmen noch in anderen Sponsoring-bereichen als nur beim Sport etablieren, und so eine noch größere Zielgruppe anspricht, was wiederum eine bessere Kundenbindung bewirkt.
Zwei hauptverantwortliche Kuratoren auf der Bonner Seite, einer auf der New Yorker Seite suchen zusammen die Exponate aus und bestimmen die Hängung.
Das Konzept ist im wesentlichen im November 2005 fertig gewesen, seitdem erfolgt das "Feintuning". Das Hängen dieser großen Ausstellung erfordert etwa fünf Wochen, bei nicht so großen Ausstellungen seien es nur zwei Wochen.
Die Kommunikationsmaßnahmen für die Ausstellung bestimmt zunächst die Bundeskunsthalle, sie stimmt sich mit dem Sponsor ab. Eine besondere Schwierigkeit stellen die Bildrechte dar. Es muss unbedingt eine Abstimmung mit der VG Bild (Verwertungsgesellschaft Bild) oder mit Erben und Nachlaßverwaltern erfolgen. Dies führt in vielen Fällen zur Verwerfung von guten, kreativen Einfällen, weil die Kosten für die Nutzung eines Bildes dessen Nutzen bei weitem übersteigen würden.
Der Sponsor, in diesem Falle die Deutsche Telekom, legt Wert darauf, dezent aber deutlich mit Logo und der Farbe in den Kommunikationsmaßnahmen präsent zu sein.
Sponsorentätigkeit der Deutschen Telekom
Der zweite Projekttag wurde bereichert durch einen Vortrag von Frau Annette Reuter von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Telekom, die uns interessante Zielsetzungen und Hintergründe zum Kultursponsoring und zu den diesbezüglichen Aktivitäten ihres Unternehmens berichtete.
Ihr Vortrag hier kurz zusammengefasst:
- Telekom-Standorte und Guggenheim-Museen sind über die ganze Welt verstreut.
- Mit 250 Exponaten (davon 180 Hauptwerke) der Sammlung sowie 23 vorgestellten Bauprojekten und Wettbewerben auf über 6.000 Quadratmetern ist die Ausstellung eine der größten in der Geschichte der KAH.
- Die Deutsche Telekom als Sponsor ermöglicht damit nach 2005 zum zweiten Mal eine Ausstellung von Weltrang in der Bundesrepublik – hier in Bonn.
- Kunst ist für die Massen – also für die gesamte Bundesbevölkerung. Unser Sponsoring spricht deshalb alle an: Schüler und Lehrer, Akademiker und Arbeitslose, Singles und Familien, Teenager und Rentner, . . .
Eine kurze Antwort auf die Frage „Warum Telekom und Guggenheim?“
- Kultur ist ein Massengut und gleichzeitig eines der Gesellschaftsgebiete mit dem höchsten Subventionierungsbedarf.
- Das internationale Kultur-Highlight „Guggenheim“ passt zu unserem Anspruch, Spitzenleistung zu fördern – wie beispielsweise ja auch im Sport.
- Wir haben uns selbst verpflichtet, auch Kultur zu fördern, und zwar so, dass echte Highlights möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.
- Guggenheim in Bonn, das ist eine echte Sensation. Und Bonn ist unser Hauptsitz. Hier leben und arbeiten 12.000 unserer Mitarbeiter. Das verpflichtet.
- Natürlich verfolgen wir auch eigene Ziele mit dem Sponsoring dieser einmaligen Ausstellung:
- Wir möchten uns – nach dem Anfang mit Tutanchamun – auch als Kultur-Sponsor etablieren. Die Menschen sollen wissen: Wir fördern nicht nur Spitzensport.
- Wir möchten deutlich machen, dass wir ein verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft sind, ein „guter Bürger“ (Good Corporate Citizen).
- Wir möchten der Bundeskunsthalle einen erneuten Besucherrekord bescheren und damit auch etwas für die Stadt und Region Bonn tun.
- Wir möchten, dass die Verbraucher nicht nur an uns denken, wenn sie ihre Telefonrechnung erhalten.
- Wir möchten also insgesamt auch etwas für uns selbst tun. Mit dem Sponsoring der Guggenheim-Ausstellung können wir eigene Ziele mit den Ansprüchen und Bedürfnissen der Menschen verknüpfen – eine sog. Win-Win-Situation.
Zu den Vereinbarungen im Rahmen des Sponsorings zählt natürlich auch die gemeinsame Präsentation der Ausstellung.
(es folgen eine Reihe Bilder und wieder verworfene Vorschläge zu Plakaten, die hier aus Platzgründen nicht wiedergegeben werden).
- Naturgemäß treten wir bei der gemeinsamen Präsentation der Ausstellung eher zurückhaltend auf, denn: Die Telekom kann und will nicht Einfluss auf die Inhalte und fachliche Ausrichtung der Ausstellung nehmen. Hier vertrauen wir ganz auf die Erfahrung und das Know-how (die Expertise) der Bundeskunsthalle.
- Unser Beitrag ist, die Ausstellung über die Finanzierung überhaupt erst möglich zu machen. Transport und Versicherungsprämien kosten viel Geld. Außerdem bringen wir uns bei der breiten Vermarktung der Ausstellung ein – möglichst viele Menschen sollen von Guggenheim in Bonn erfahren – und die Ausstellung dann auch besuchen.
- Wo wir selbst als Sponsor die Ausstellung vermarkten, tun wir dies auch etwas offensiver. Deswegen entwickeln wir zur Zeit ein eigenes Sponsoring-Logo mit Motto (eine so genannte Wort-Bild-Marke).
Guggenheim soll wie gesagt möglichst viele Menschen erreichen. Deswegen nutzen wir alle uns zur Verfügung stehenden Kommunikationsfelder, um die Ausstellung bekannt zu machen:
- Online-Vermarktung (Bewerbung im Internet)
- Klassische Werbung
- Promotions
- Marketing-Maßnahmen
- Pressearbeit
- Medienkooperationen
- Publikationen
- Events/Veranstaltungen
- Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einer 360-Grad-Kommunikation.
Ergebnisse der Unterrichts- und Projektarbeit
Schon vor diesen beiden Vorträgen war im Unterricht begonnen worden in Einzel- oder Gruppenarbeit eigenständige Kommunikationsmaßnahmen für die Guggenheim-Ausstellung zu entwerfen. Das Spektrum erstreckte sich von Flyern, edgar-cards und Plakaten über Merchandise- und Museumsshop-Artikel, bis hin zu pädagogischem Begleitmaterial und verkaufsfördernden Maßnahmen im Museum oder Museums-Shop (Werbegirlande und Brille). Der Sponsor wurde jeweils mehr oder weniger stark ins Bild gerückt, was für Diskussionen hinsichtlich seiner visuellen Präsenz führte.
Ergebnisse


