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Aktuelles

Austellung "Landart"

29.05.2006

Beitrag der Klasse 6b

Die im Godesberger Kunstverein ausgestellten Plastiken der Sechstklässler widmen sich der Problematik des menschlichen Eingreifens in die Natur in umgekehrtem Sinn wie die Arbeiten der Älteren. Während die Oberstufenschüler die Natur bewusst umgestaltet hatten und so menschliches Tätigsein in der Natur als einen absichtsvollen und gerichteten Prozess darstellen, der Mensch und Natur einswerden lässt, ist in den Arbeiten der Jüngeren eher eine Bestandsaufnahme des Zustandes der Natur beabsichtigt. Sie wollten zeigen, dass die Natur zwar auch vom Menschen gestaltet wird, aber allzu oft eben nicht bewusst und künstlerisch, sondern unbewusst und nachlässig, wenn auch oft bleibend.

Achtlos oder vorsätzlich weggeworfener Müll am Wegesrand steht häufig in deutlichem Kontrast zur Natur, gestaltet sie aber dennoch. Die Skulpturen der Schüler spiegeln dies wider und zeugen von Gegensatz und Einheit von Zivilisationsmüll und Natur, indem sie beides in einer Objektmontage zusammenbringen.

In der sechsten Klasse ist lehrplanmäßig Plastisches Gestalten vorgesehen. Also begannen wir unsere Unterrichtsreihe zur modernen Skulptur im zweiten Halbjahr mit  einem Besuch im Kunstmuseum Bonn.

Dort sahen wir bei der Skulptur Sonderling von Georg Baselitz, wie der Künstler mit dem Naturwerkstoff Holz einen Kopf darstellte, der aber sehr fremd und komisch aussah. Wir fanden heraus, dass es Baselitz wohl eher nicht um die Abbildung eines bestimmten Menschen, sondern um die Darstellung einer bestimmten Idee ging, in diesem Falle die Idee von Normalität, Individualität und Außenseiterrolle.

Die Idee im Kunstwerk von Anselm Kiefer "Die Argonauten" herauszubekommen war schon schwieriger und ohne Hintergrundwissen gar nicht möglich. Man sah zwar Gegenstände, die man kannte, wie ein Hemd mit ein bißchen goldener Farbe, Spielzeugsoldaten im Sand, Zähne und das Ganze auf einem bleiweißfarbenen, kaputten Flugzeugflügel. Dass die Argonauten in der griechischen Sagenwelt Krieger waren, die das "Goldene Vlies" in einer Höhle geraubt hatten, die von einem zähnespeienden Drachen bewacht wurde, und dass sie so einen Mord verhindert hatten, mussten wir uns erst heraussuchen. Der Flugzeugflügel stand für Zerstörung durch Brand oder Absturz. Während die Argonauten einen Mord verhindert hatten, hatte es im zweiten Weltkrieg, in dem das Flugzeug abgestürzt war,  Menschen  gegeben, die Morde herbeigeführt hatten, so die Idee des Kunstwerkes.

Joseph Beuys schließlich und sein Schlitten mit Taschenlampe, Filzdecke und einem Brocken Fett zeigte uns, dass man mit Gegenständen, die man aus ihrem eigentlichen Bedeutungszusammenhang herausreißt, auch viel aussagen kann. In diesem Fall steht der Schlitten für das Überwinden weiter Distanzen in der Kälte, die Taschenlampe weist auf die mögliche Dunkelheit hin, die darüber einbrechen kann, die Decke bietet Wärme und Schutz und der Fettbrocken liefert die nötige Energie zum Überleben. Es handelt sich also um eine Überlebensplastik.

Beuys lernten wir auch noch von einer anderen Seite kennen, nämlich von seinem Engagement für die Natur. Er hatte in einer Aktion auf die Umweltverschmutzung hingewiesen, indem er mit seinen Studenten den Grafenberger Wald in Düsseldorf ausfegte.

Das war unsere Anregung für die Assemblage mit dem Titel "Natur und Müll".

Um unsere Idee hinter dem Kunstwerk auszudrücken und die Montage zu einem bewusst gestalteten Kunstwerk zu machen, mussten wir neben den inhaltlich leicht sichtbaren Kontrasten zwischen Naturelementen und Müll auch künstlerisch-formale Mittel anwenden. Dies geschah mit absichtsvoll eingesetzten Form- und Farbkontrasten, wie dem bunt-unbunt-Kontrast, den Komplementärkontrasten, dem Hell-Dunkel-Kontrast oder aber den Formkontrasten zwischen runden und eckigen, spitzen und stumpfen Objekten.

Dr. Eva-Christine Raschke